Priya

Zu Ehren von Priya, die Henne, die Leben verändert hat und jetzt unter den Sternen strahlt

11.09.2019 - 28.11.2020

Es kam wie ein Funke vom Himmel am 11. September 2019. Sie hatte ihr Schicksal gewählt. Statt des Messers wählte sie die Liebe. Also sprang sie aus dem Lastwagen, der sie in den Tod führen sollte, um in ein Auto zu steigen, das sie in ihr Paradies bringen sollte. Unser Heiligtum. Ihre Ankunft? Es war Liebe auf den ersten Blick. Derselbe schickte sie uns am 28. November um 23.13 Uhr, kurz bevor sie sich verabschiedete. Naiv glaubten wir an die Illusion, dass Priya unsterblich sein würde.

Ihre Anwesenheit am Heiligtum ist zu leuchtend, um sie authentisch zu beschreiben. Priya war ein Engel für die Menschen, die sie bedingungslos liebte. Denn sie wusste, dass in den Tiefen ihrer Herzen eine diskrete Ode an das Mitgefühl lag, die nur darauf wartete, hervorzubrechen. Und es war diese Schwingung, die sie erwecken sollte, sich an sie kauernd. Sie wusste besser als jeder andere, wie sie die Herzen der anderen berühren konnte. Und zwar alle.

Ein großer Weiser im Körper eines winzigen Kükens mit behinderten Beinen und einer vielfarbigen Aura. Priya war eine Schamanin, die wusste, wie sie sich um ihre Brüder und Schwestern aller Art kümmern musste, wenn diese krank waren. Einschließlich uns. Von ihrem kleinen Gang aus, von dem man annimmt, dass er durch ihre Behinderung verlangsamt wird, ging sie auf das leidende Individuum zu und legte sich neben ihn, um ihm heilende Energie und Zuneigung zu geben. Wir konnten stundenlang darüber reden, wie sie von ihrem Hühnerstall zu unserem Haus lief, um die Tür für sie zu öffnen. Die Art, wie sie auf seinen Namen mit diesem besonderen kleinen Liedchen reagierte. Über seine bedingungslose Zuneigung. Wie viele Menschen, die die Hühner nicht kannten, waren über ihr Treffen mit Priya verärgert?


Wir verstanden von den ersten Augenblicken ihrer Anwesenheit im Heiligtum an, dass Priya keine Henne war, sondern eine alte Seele, die gekommen war, um eine sehr präzise Mission zu erfüllen. Wir haben es von dem Moment an verstanden, als sie von Arthémis, ihrem lieben, ebenfalls behinderten Freund, empfangen wurde, der sie willkommen hieß, indem er über den ganzen Boden ging, um mit ihr zu kuscheln, und dann lange Minuten lang zusammen schnurrte.

Priya hat als Person zu dieser Mission beigetragen, die das Herzstück unserer Vereinigung ist: die Gleichberechtigung zwischen den Arten zu verwirklichen, die Sensibilität der Menschen zu berühren und zu beweisen, dass ein Zusammenleben möglich ist. Die kleine Prinzessin Priya hinterlässt Erinnerungen an eine Liebe, die sich nicht beschreiben lässt. Sie hinterlässt eine große Leere, die wir noch nicht zu akzeptieren wissen. Wenn es am Co&xister-Schrein eine Säule gibt, dann ist es Priya. Ohne sie fehlt eine Farbe unseres Regenbogens. Aber wir wissen es. Wir wissen, dass ihr kleiner, genetisch selektierter Legehennenkörper ausstarb, um ihrer Seele die Möglichkeit zu geben, sich anderswo, in einem gesünderen Körper, zu inkarnieren. Vor allem wissen wir, dass ihre Seele immer überall strahlen wird, in jedem Stückchen Leben, das uns umgibt. Sie ist da, in der Widerstandsfähigkeit von Arthémis. Sie ist da, in der Zuneigung von Makha. Sie ist da, in der Würde von Tawaki. Es ist da, in der Neugierde von Wakan. Es ist da, in Ozzys Unschuld. Es ist da in Meli's Entschlossenheit und Neira's bedingungsloser Liebe. Es ist da, in der Süße Alaskas. Und sie ist da, überall in unseren Herzen.

Priyas Körper starb nach einem dreiwöchigen Kampf gegen die Salpingitis, die in eine Sepsis übergegangen ist, und nach der drastischen Schwächung ihres Immunsystems, so dass der Platz für eine Ansiedlung von Parasiten in ihrer Luftröhre blieb. Keine medizinische, chemische oder natürliche Behandlung konnte ihrem Körper diesmal helfen, da sie als einzige einen ersten entzündlichen Anfall des Eileiters überlebt hatte. Wir versuchten unser Bestes, bis sie uns explizit aufforderte, aufzuhören und ihre Abreise zu akzeptieren. Die ganze Energie der Fürsorge, die sie von beiden Seiten erhielt, half ihrer Seele, ihr Vertrauen zu bewahren, bis zum Ende. Sie entschied sich dafür, in der Wärme unserer Arme und unter den sanften Liebkosungen unserer Streicheleinheiten zu sterben, wenige Minuten nachdem wir uns mit einem Tierarzt in Verbindung gesetzt hatten, der ihr dank Euthanasie bei der Abreise helfen sollte. In diesen besonderen Momenten wissen die Tiere auf unsere Unsicherheiten zu reagieren. Wir fragten sie, ob sie sich bei dieser Abreise helfen lassen wolle. Sie antwortete, alles, was sie brauche, sei die Gewissheit, dass wir in der Liebe bleiben könnten. Immer. Also versprachen wir ihr dies, und wir verabschiedeten uns mit aller Liebe der Welt, gefesselt von ihren kleinen Augen, die uns mit überwältigender Zärtlichkeit anstarrten, bis zum letzten Atemzug.


Als wir eine Hand brauchten, fanden wir Ihre kleine Pfote, die sich zärtlich an unsere Finger klammerte. Aber jetzt lassen wir die Erde Ihren Körper zurückerobern. Sie wird schöne Blumen daraus machen. Und wir lassen das Universum Ihre Seele überall dort zerstreuen, wo die Liebe fehlt. Weil unsere Welt Priyas so dringend braucht, überall. Damit sie so viel wie möglich ausstrahlen kann, um auch nur ein wenig die Dunkelheit der gefühllosen Herzen zu kompensieren, die traurigerweise den Planeten bevölkern und die darauf beharren, allen Priyas der Welt die Kehle durchzuschneiden, aus Angst, ihre Botschaft zu hören.

Auf Wiedersehen, kleiner Schatz. ❤️

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Livre 'Priya, la poule qui soignait les autres'

CHF 18.00

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